In Sion Sonos exquisiten Film "Love Exposure - Ai no mukidashi" erinnert man sich nur allzu sehr an die früheren Zeiten. Als man als Kind noch zur Beichte gezwungen wurde und Sünde einen Hauch der Verlegenheit auf das Gesicht der Menschen zeichnete und man fast vor Scham in Erdboden versunken ist und von den "großen" Sünden berichtete: "ich habe meine Mutter belogen", welche dann erst einmal mit 10 Vater Unser abgegolten wurden. Ob uns Sion Sono hiermit die Augen öffnen oder einfach herzlos alte Wunden aufreissen will, tut nichts zu Sache. Im Gegenteil.
Der furiose Film erzählt die Geschichte eines jungen Helden,Yu, welcher wohlbehütet in einem frommen und gläubigen Haus aufwächst. Normalerweise bringt man Japan und Katholismus nicht so einfach unter einem Hut. Aber dieser Film ist anders.
Yus Mutter stirbt jung und wird somit zu einer zweiten Jungfrau Maria für den zurückgelassenen Sohn und dessen Vater.Das der Vater sich zu einem katholischen Priester weihen lässt, ist eine Sache, aber viel interessanter ist die Entwicklung Yus als Außenseiter in der japanischen Kultur, welche wohl mit dem Glauben relativiert und in einem frenetischen Chaos und ominösen Kulthandlungen frönt. Immerhin geht der Film vier volle Stunden lang und hier bleibt wohl kaum ein Auge trocken und langweilig wird es nie. Löst sich das Chaos am Ende doch stimmig und wohlwollend wieder auf.
Die übergroße Symbolik lässt erst einmal kaum Raum für eine glänzende Liebesgeschichte, welche Love Exposure wohl im Endeffekt darstellt.Wie kann man einfach so verliebt sein in einer Kultur, welche alles in absuredes, phantastisches Theater zu verwandeln droht? Diese und viele weiter Fragen werden hier eindrucksvoll gelöst. Und wer schon immer die ganzen japanischen Vorurteile bestätigt sehen wollte, sei mit Sion Sonos Filmwerk reichlich bedient! Ein wahres Feuerwerk der Gefühle, in der Liebe, Sünde, Tod und Glück zu einem großen Ganzen verschmelzen.
Ein Stinkefinger als Zeichen der Liebe??
Hikari Mitsushima als Yoko – in "Love Exposure"


